Assistive Technologie wird definiert als jeder Gegenstand, jedes Gerät oder jede Software, die das Leben von Menschen mit Behinderung erleichtert und verbessert. Oft spielt assistive Technologie eine Schlüsselrolle bei der Steigerung der Lebensqualität von Menschen mit Behinderung, indem sie den Alltag erleichtert, deren Entwicklung fördert, zu mehr Eigenständigkeit anregt und sie befähigt, erfolgreich am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Assistive Technologie lässt sich in drei Kategorien einteilen:
No Tech – umfasst nicht-elektronische Hilfsmittel;
Low Tech – umfasst elektronische Geräte mit geringer Komplexität und niedrigeren Kosten;
High Tech – umfasst komplexere Geräte und Software, wie Computer oder Spracherkennungssoftware, mit entsprechend hohen Kosten.
Menschen mit Hörbeeinträchtigungen stehen täglich vor zwei großen Herausforderungen: erschwerter oder unmöglicher Kommunikation mit ihrer Umgebung und eingeschränktem Zugang zu Informationen. Dies erschwert oder verunmöglicht oft eine gleichberechtigte Teilhabe an sozialen Interaktionen (z. B. Teilnahme an Gesprächen oder Entscheidungsfindungen). Häufig erhalten sie nur unvollständige oder ungenaue Informationen. Ohne rechtzeitigen und genauen Zugang zu Informationen droht ihnen soziale Isolation und Marginalisierung. Assistive Technologie ist für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen daher von größter Bedeutung: Sie hilft, Kommunikationsbarrieren zu überwinden, stellt rechtzeitigen und präzisen Zugang zu Informationen sicher und ermöglicht eine gleichberechtigte Teilnahme an der Kommunikation. Ihnen stehen verschiedene Geräte und Programme zur Verfügung, die den Alltag erleichtern und eine stärkere soziale Einbindung fördern. Im Folgenden werden die bekanntesten und am häufigsten genutzten assistiven Technologien für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen vorgestellt.
Hörhilfen
Hörhilfen verstärken Umgebungsgeräusche und ermöglichen Menschen mit Hörbeeinträchtigungen ein besseres Sprachverständnis. Sie bestehen aus einem Mikrofon, einem Prozessor und einem Lautsprecher. Es gibt zwei Arten von Hörhilfen: die im Ohr getragenen und die hinter dem Ohr getragenen.
Cochlea-Implantate
Ein Cochlea-Implantat ist ein komplexes elektronisches Gerät, dessen Teil chirurgisch ins Ohr eingesetzt wird und Menschen mit schwerer bis vollständiger Hörminderung das Hören von Umgebungsgeräuschen ermöglicht. Es besteht aus einem äußeren Teil (Mikrofon, Sprachprozessor und Spule) und einem inneren Teil (Empfänger/Stimulator und Elektrode). Das Implantat wandelt Klang durch das Mikrofon und den Sprachprozessor in elektrische Impulse um, die an den inneren Teil weitergeleitet werden. Der innere Teil stimuliert den Hörnerv über elektrische Impulse, die von der Elektrode übertragen werden. Der gesamte Vorgang dauert nur wenige Millisekunden und ermöglicht Hören in Echtzeit.
Induktionsschleifen
Induktionsschleifen ermöglichen es Menschen mit Hörhilfen, die Sprache klarer zu verstehen, ohne störende Hintergrundgeräusche. Sie werden oft an Orten wie Flughäfen, Theatern, Konzertsälen, Konferenzräumen und Gesundheitseinrichtungen eingesetzt. Eine Induktionsschleife nutzt ein Magnetfeld, das den Klang direkt an die Hörhilfe überträgt.
FM-Systeme
FM-Systeme verwenden Funksignale, um verstärkte Geräusche zu übertragen, und werden häufig in Klassenzimmern eingesetzt. Lehrkräfte tragen ein Mikrofon, das mit einem Sender verbunden ist, während die Schüler*innen einen Empfänger tragen, der auf dieselbe Frequenz eingestellt ist. FM-Systeme verbessern die Sprachverständlichkeit erheblich, besonders in Umgebungen mit vielen Hintergrundgeräuschen, und können Signale über größere Entfernungen und durch Wände übertragen.
Infrarot-Systeme
Infrarot-Systeme übertragen Geräusche über Infrarotlicht. Ein Sender wandelt Schall in ein Lichtsignal um, das dann von einem Empfänger empfangen wird, den die hörbeeinträchtigte Person trägt. Im Gegensatz zu FM-Systemen kann ein Infrarot-Signal nicht durch Wände übertragen werden und funktioniert nicht in sehr hellen Räumen oder im Freien.
Untertitel
Untertitel sind ebenfalls eine assistive Technologie, die gehörlose und schwerhörige Menschen beim Fernsehen oder Filmegucken nutzen. Sie bestehen aus transkribiertem Text, der am unteren Rand des Bildschirms angezeigt wird und Dialoge sowie akustische Effekte beschreibt, um den Zuschauer*innen mit Hörbeeinträchtigungen einen besseren Kontext zu bieten. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Untertiteln enthalten diese zusätzliche Informationen über die Szene, z. B. Hintergrundgeräusche, Klangfarben oder die Sprecheridentifikation.
Spracherkennungsprogramme und -Apps
In den letzten Jahren erfreut sich auch diese Art von assistiver Technologie zunehmender Beliebtheit. Sie ermöglicht das Erkennen und die Umwandlung von Sprache in Echtzeit in Text. Einige Programme oder Apps sind kostenlos, während andere kostenpflichtig sind.
Signal- und Alarmanlagen
Hierbei handelt es sich um Geräte, die Licht- oder Vibrationssignale anstelle von akustischen Signalen verwenden, um gehörlose und schwerhörige Menschen zu benachrichtigen (z. B. Lichtwecker, Lichtklingeln oder Lichtalarme).
Assistive Technologien erleichtern gehörlosen und schwerhörigen Menschen die Kommunikation und den Zugang zu Informationen und ermöglichen ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen – von Bildung und Arbeit bis hin zu alltäglichen Interaktionen und Freizeitaktivitäten. Der technologische Fortschritt wird die Entwicklung fortschrittlicherer und effektiverer Geräte ermöglichen und letztendlich bessere Bedingungen und mehr Chancen im Alltag für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen schaffen.